Natur wird permanent zerstört, weltweit, aber auch regional. Kleinste Lebensräume, lebenswichtige Koexistenzen sind massiv bedroht, manche bereits verschwunden.
Aus dem Bedürfnis, auf die weiter anwachsende Bedrohung des Ökosytems Erde künstlerisch im öffentlichen Raum zu reagieren, entstand das Projekt _resource Nature_.
Im Kontext medialer Werbestrategien erschienen auf digitalen und analogen Werbeflächen im Krefelder Stadtraum Schwarz-Weiß- Fotografien unspektakulärer Pflanzen und Landschaften. Subtil verfremdetet, kraftvoll und doch fragil, fast traumhaft anmutend zeigen sie Formkraft der Natur und die daraus erwachsende Schönheit – werbend für einen achtsamen Umgang mit der Natur. Fern von kunstaffinen Räumen werden die emotional-sinnlichen Bilder zu visuellen Zufluchtsorten – irritierende Momente in einer von menschlicher Zernutzung geprägten Umgebung - flüchtige Erinnerungen an etwas Vertrautes, vielleicht schon bald Verlorenes.
„...Doris Kaiser bedient sich hierbei einer für sie neuen Bildsprache, mit der sie dem stillen Verschwinden der Natur eine leise, poetisch nachklingende Stimme verleiht, die sich als sanft berührender Flüsterton in die Zwischenräume unseres Bewusstseins einnistet – eine still nachhallende Aufforderung, den fortschreitenden Verlust nicht länger hinzunehmen.“
Susannah Cremer-Bermbach 2023
Die Intervention resource Nature startet mit der Einspielung der Naturmotive auf Public Video Roadside Screens. In Folge erscheinen über einen längeren Zeitraum und an unterschiedlichen Standorten weitere Motive auf analogen Großflächen. Durch die erhöhte Präsens dringen die Bilder allmählich ins Bewußtsein. Der Verweis auf die Webseite re-N ermöglicht nähere Information. Morph-Videos, erzeugt mit den im Stadtraum zu sehenden Motive laden in öffentlich zugänglichen Institutionen zum längeren Betrachten der Bilder ein.
Public Video Roadside
An stark frequentierten Straßen erscheinen von 6 Uhr bis 22 Uhr im Rhythmus vorgegebener, sekundenlanger Einspielzeiten Abbildungen unspektakulärer Landschaften und Pflanzen – eingeblendet zwischen Werbung und Info-Screens. Die Technik des kurzen Aufscheinens visualisiert das Verschwinden der Natur. Durch Wiederholung dringen die Bilder ins Bewusstsein.
Public Video City
Sreens in Fußgängerzonen ergänzen die Intervention im Straßenraum.
Großflächen
Nach Ablauf der digitalen Präsentationsphase erscheinen die Motive an unterschiedlichen Standorten auf analogen Großflächen. Als Kontrapunkt zur städtischen Umgebung werden sie über einen längeren Zeitraum fester Bestandteil des öffentlichen Raumes – ungewohnte Momente der Ruhe, der Stille.
Ihre dauerhafte Präsenz im Stadtraum ermöglicht im Gegensatz zu dem kurzen Aufscheinen der Screens eine intensivere Betrachtung und erhöht ihre Wahrnehmbarkeit.
Morph-Videos
Ohne einer "erzählerischen Dramaturgie" zu folgen, zeigen die Videos Abfolgen sich überlagernder Bilder.
Durch die allmähliche Überblendung zweier Motive entstehen verschiedene Ebenen von Realität, die Vermischung erzeugt neue komplexere Bild-Räume.
Das betont langsame Tempo der Überlagerung der Bilder lädt ein, in die traumhaft wirkenden, der Realität entrückten Bild-Sequenzen einzutauchen und der Schönheit, aber auch der Verletzlichkeit von Natur nachzuspüren.